Landesmusikrat Thüringen · BMU LV Thüringen
KI im Musikunterricht
Interaktive Web-Publikation zum Positionspapier · Potenziale, Positionen und Perspektiven · Stand 2026
👩‍🏫 Für Lehrkräfte 🏛 Für Bildungspolitik 🔬 Für Wissenschaft 📖 12 Abschnitte 🔍 Volltextsuche 📄 Volltexte abrufbar
Positionspapier

KI im Musikunterricht

Potenziale, Positionen und Perspektiven

Für wen?

Landesmusikrat Thüringen & BMU Landesverband Thüringen · Thüringer Landesmusikakademie Sondershausen · Mai 2025 · Stand 2026

Abschnitt 1

Zielsetzung & Ausgangslage

KI als Ergänzung bewährter musikpädagogischer Zugänge – nicht als Ersatz

Positionspapier

Das Positionspapier des Landesmusikrats Thüringen & BMU LV Thüringen formuliert Orientierungsgrundlagen für eine didaktisch reflektierte und verantwortungsvolle Integration von KI in den Musikunterricht an allgemeinbildenden Schulen im Freistaat. KI wird ausdrücklich als Ergänzung bewährter musikpädagogischer Zugänge verstanden – nicht als deren Ersatz.

Ausgangspunkt: Fachtag 2025

Am 8. Mai 2025 bot erstmalig der Fachtag „KI im Musikunterricht – Chancen und Herausforderungen" in der Thüringer Landesmusikakademie Sondershausen Lehrkräften, Wissenschaft, Bildungspolitik und schulischer Praxis ein breites Forum.

Reflexionsrahmen: SAMR & TPACK

Für die Einordnung des KI-Einsatzes empfehlen sich bewährte Modelle wie SAMR und TPACK. Sie helfen, zwischen Substitution und echter Transformation zu unterscheiden.

Der KI-Würfel als Analysemodell

Krämer & Hecht (hmt Rostock / DigiProSMK) beschreiben KI im Musikunterricht entlang dreier Dimensionen: Erstellen · Analysieren · Begleiten – jede aus drei Reflexionsperspektiven.

Abschnitt 2

Potenziale von KI im Musikunterricht

Kreativität, Differenzierung und neue Lernformen

Positionspapier

KI eröffnet grundlegend neue Zugänge zu musikalischer Gestaltung und Analyse. Entscheidend ist dabei, dass KI nicht lediglich Ergebnisse produziert, sondern bei Schüler:innen Lernprozesse anstößt, die Fragen, Irritationen und Suchbewegungen auslösen.

Differenzierung & Teilhabe

Chancengerechtigkeit gezielt fördern – mit didaktischer Einbettung. Adaptive Aufgabenformate, automatisierte Rückmeldungen und individualisierte Lernpfade für heterogene Gruppen.

Kreativität & Gestaltung

Ästhetische Erfahrungsräume eröffnen – nicht Outputs bewerten. Promptgestützte Kompositionsprozesse, KI-gestützte musikalisch-ethische Reflexionen, kreative Rollenarbeit.

Explorative Lernformen

KI als Ausgangspunkt ästhetischer, analytischer und gestalterischer Auseinandersetzung. Interdisziplinäre Zugänge & forschendes Lernen. Weiterführend: Expansives Lernen ↓ Abschnitt 3.

Abschnitt 3

Expansives Lernen statt bloßer Tool-Nutzung

KI als Impulsgeber und Katalysator – nicht als Komfortfunktion

Positionspapier

Ein zukunftsorientierter Musikunterricht darf den Einsatz von KI nicht auf Effizienz- oder Komfortfunktionen reduzieren. Ziel ist vielmehr ein expansives Lernen, das Selbstwirksamkeit, gestalterische Eigenleistung und kritische Reflexion stärkt.

Die zentrale Entscheidungsfrage

Wird KI nur eingesetzt, um Unterricht bequemer, schneller und effizienter zu machen – oder dient sie als Impulsgeber für selbstständige Aneignung, gestalterische Eigenleistung und reflexives Denken?

AI Convenience vs. AI Leadership

KI aktiv gestalten – nicht konsumieren

KI sollte jederzeit vom Nutzenden aktiv gestaltet, kritisch hinterfragt und bewusst in eigene musikalische Gestaltungsprozesse eingebunden werden. KI wird so zum Katalysator musikalischen Denkens – nicht zum Content Creator.

Konzept – Skill Skipping

Wenn KI handwerkliche Grundlagen überspringt, droht eine Kompetenzlücke, die pädagogisch kaum mehr geschlossen werden kann.

Abschnitt 4

Herausforderungen und Risiken

Pädagogisch gestaltbar – aber nicht von selbst abwendbar

Positionspapier

Trotz der aufgezeigten Potenziale ist der Einsatz von KI mit realen Risiken verbunden — für kreative Eigenleistung, musikalisches Urteilsvermögen und basale handwerkliche Fähigkeiten. Diese Risiken sind pädagogisch gestaltbar, aber nicht von selbst abwendbar.

Bestnoten-Paradox

KI-generierte Musik wirkt stilistisch konsistent, aber selten originell. Die scheinbar anstrengungsfreie Perfektion „auf Knopfdruck" kann Lernende entmutigen oder zur unkritischen Übernahme verleiten.

Deskilling & Abhängigkeit

Ohne pädagogischen Rahmen droht Rückzug aus dem kreativen Prozess. KI ersetzt Prozess- und Urteilsschritte, die für musikalische Kompetenzentwicklung unerlässlich sind.

Kritische Medienbildung

Schüler:innen müssen lernen, wie KI funktioniert, auf welcher Datenbasis sie arbeitet und welche algorithmischen Verzerrungen & Grenzen bestehen – einschließlich Fragen der Urheberschaft.

Konsequenz: KI als Impulsgeber rahmen

Variationen, Weiterentwicklungen, Begründungen und Modifikationen von jeglichen KI-Ergebnissen gehören in den Mittelpunkt eines Unterrichts, der musikalisches Denken ernst nimmt.

Kommerzielle & strukturelle Risiken

Abhängigkeit von kommerziellen Akteuren, algorithmische Filterung kultureller Vielfalt, Datenschutz.

Abschnitt 5

Spannungsfelder und offene Fragen

Ambivalenzen, die didaktisch ernst genommen werden müssen

Positionspapier – Langfassung

Viele der mit KI verbundenen Potenziale und Herausforderungen stehen nicht einfach einander gegenüber, sondern entfalten sich in ambivalenten Spannungsverhältnissen, die didaktisch ernst genommen werden müssen.

Teilhabe vs. Oberflächlichkeit

KI ermöglicht niedrigschwelligen Zugang zu musikalischer Gestaltung – andererseits besteht die Gefahr, dass musikalisches Gestalten auf bloße Auswahl oder Variation vorgefertigter Klangmuster reduziert wird.

Effizienz vs. Tiefe

KI kann Unterricht effizienter gestalten. Doch wie werden musikalisches Handwerk und ästhetische Tiefe bewahrt? Was zunächst als Inspirationsquelle erscheint, kann bei unreflektiertem Einsatz schnell zur einseitigen Abhängigkeit führen.

Entlastung vs. neue Komplexität

Scheinbare Komplexitätsreduktion durch algorithmische Assistenz – aber Fragen nach Urheberschaft, ethischer Verantwortung, kultureller Deutung und pädagogischer Sinnhaftigkeit drängen sich auf und verlangen vertiefte Auseinandersetzung.

Konsequenz aus den Spannungsfeldern

Diese Spannungen lassen sich weder technisch lösen noch durch einfache didaktische Rezepte aufheben. Sie verlangen nach einer pädagogischen Grundhaltung, die KI nicht als Lösungsmaschine, sondern als Impulsgeber für vertieftes eigenständiges musikalisches Lernen versteht.

Abschnitt 6

Didaktische Perspektiven & Leitlinien

Vier Grundprinzipien für einen KI-sensiblen Musikunterricht

Positionspapier – Didaktische Leitlinien

Sinnvoller KI-Einsatz im Musikunterricht erfordert weit mehr als das bloße Beherrschen digitaler Werkzeuge. Im Zentrum steht nicht die Anwendung, sondern die Frage, wie musikalisches Verstehen, kreatives Denken, Eigenständigkeit und ästhetische Erfahrung im Zusammenspiel mit algorithmischen Systemen gefördert werden können.

1 · KI als Lernimpuls, nicht als Lernersatz

KI eröffnet neue Perspektiven, ersetzt jedoch nicht den eigenen musikalischen Prozess. Ihre Funktionsweise, Grenzen und ästhetischen Auswirkungen gehören inhärent zur inhaltlichen Auseinandersetzung dazu – KI wird auch zum Lerngegenstand selbst.

2 · Balance: KI-gestützt und KI-frei

Analoge Erfahrungen, praktisches Musizieren und körperlich-ästhetische Zugänge zu Musik bleiben unverzichtbar. Leibliche Dimension musikalischer Erfahrung darf nicht substituiert werden.

3 · Prompting als Gestaltungskompetenz

Die Fähigkeit, durch gezielte Eingaben mit KI zu interagieren, wird zu einer neuen Form musikalischer Gestaltung. Prompting: kreative Anfragen formulieren, Ergebnisse bewerten, weiterentwickeln.

4 · Reflexion und ethische Verantwortung

Datenschutz, Urheberrecht, kulturelle Vielfalt und Verantwortung müssen integraler Bestandteil dieses Unterrichts sein.

Veränderte Lehrkraft-Rolle

Vor jeder Entscheidung für oder gegen einen KI-Einsatz steht eine einzige Frage: Welcher pädagogische Mehrwert entsteht — für wen, in welcher Phase, gemessen an welchem Lernziel?

⏱ 1-Minuten-Check · Vor dem KI-Einsatz
Abschnitt 7

Veränderte Rollen & Lernarrangements

Lehrkräfte als Lernbegleiter:innen – Schüler:innen als Mitgestaltende

Positionspapier – Langfassung

Die Integration von KI in den Unterricht verändert die Rollen aller Beteiligten: Lehrkräfte werden noch stärker zu Lernbegleiterinnen und Lernbegleitern, die Prozesse initiieren, Lernwege strukturieren und kreative Eigenleistung fördern.

Lehrkraft als Impulsgeberin

Nicht allein Lösungen vermitteln, sondern Denkprozesse anstoßen und Resonanzräume für musikalisch-technische Lernprozesse gestalten. Produktives Zweifeln, Neugier und Verantwortlichkeit ermöglichen.

Lernende als Mitgestaltende

Schüler:innen übernehmen mehr Verantwortung für ihre Lernwege – sie probieren aus, reflektieren, verwerfen und gestalten neu. Sie entwickeln technologische Mündigkeit, ästhetisches Urteilsvermögen und soziale Verantwortung zugleich.

Neue Unterrichtsformate

Dialogisch · projektorientiert · experimentell · offen für Irritationen.
Rückmeldungen werden zu dialogischen Verständigungsprozessen über Qualität, Idee und Weiterentwicklung – nicht mehr einseitige Bewertungen.

Abschnitt 8

Kompetenzen für Lernende und Lehrende

Technisches Können, ästhetisches Urteilsvermögen und ethisches Denken

Positionspapier

Ein kreativer und verantwortungsvoller Einsatz von KI erfordert ein vielschichtiges Kompetenzspektrum, das technisches Können ebenso umfasst wie gestalterisches, ethisches und reflexives Denken. Vor jeder Entscheidung steht eine einzige Frage: Welcher pädagogische Mehrwert entsteht?

Verstehen

Grundlegendes Verständnis der Funktionsweisen, Trainingsdaten, Grenzen und möglichen Verzerrungen von KI-Systemen.

Anwenden & Gestalten

Passende Tools auswählen, kreative und differenzierte Prompts formulieren, Ergebnisse auf musikalischer, gestalterischer und ethischer Ebene analysieren.

Reflektieren & Mitgestalten

Eigenen Umgang mit KI hinterfragen, Entscheidungen begründen, Urheberschaft diskutieren. Sich aktiv in die Bedingungen der Nutzung einbringen – nicht nur konsumieren.

Falcks 5 Perspektiven auf KI im Unterricht

Joscha Falck beschreibt fünf Verhältnisweisen: Lernen mit KI · durch KI · über KI · trotz KI · ohne KI – ein Rahmen für didaktische Entscheidungen.

Abschnitt 9

Neue Prüfungsformate

Prozess, Entscheidung und Reflexion sichtbar machen – nicht nur das Produkt

Positionspapier

Traditionelle, ausschließlich ergebnisorientierte Prüfungsformate greifen im Kontext KI-gestützten Lernens zu kurz. Das Produkt wird nicht losgelöst vom Weg bewertet. Prüfungen gewinnen damit an pädagogischer Tiefe und an subjektbezogener Relevanz.

Lernprozesse sichtbar machen

Dokumentation von Entscheidungen, Bewertung und Weiterentwicklung KI-generierter Produkte, Reflexion ästhetischer Kriterien. Die Vielfalt möglicher Lösungen wird nicht als Problem, sondern als pädagogischer Gewinn verstanden.

Dialogische Formate

Rückmeldungen werden zu dialogischen Verständigungsprozessen über Qualität, Idee, Umsetzung und Weiterentwicklung. Schüler:innen werden zu aktiven Mitgestaltenden ihrer Leistungsbeurteilung.

Kollaborative Aufgaben

Nicht die Beherrschung technischer Tools wird geprüft, sondern die Fähigkeit, mithilfe von KI zu einer eigenständigen künstlerischen Position zu gelangen – auch in Gruppenformaten.

Transparente Kriterien

Neue Dimension der Transparenz über Bewertungskriterien + Möglichkeit zur Mitbestimmung fördern eine stärkere Teilhabe am eigenen Lernen.

Abschnitt 10

Bildungspolitische Voraussetzungen

Verlässliche Rahmenbedingungen schaffen – zeitkritisch

Positionspapier – Bildungspolitische Voraussetzungen

Die Umsetzung dieser Positionen setzt verlässliche bildungspolitische Rahmenbedingungen voraus — und ist zeitkritisch: Verzögerungen vertiefen die Abhängigkeit von kommerziellen Akteuren weiter. Schulen dürfen mit dieser Aufgabe nicht allein gelassen werden.

1 · Infrastruktur sichern

Tragfähige digitale Infrastruktur sowie datenschutzkonforme KI-Anwendungen als Grundvoraussetzung.

2 · Fortbildung investieren

Neue Fortbildungsformate, die nicht nur technisches Know-how vermitteln, sondern auch Didaktik, Ethik und Kreativität mitdenken.

3 · Curricula verankern

Curriculare Verankerung von KI-Themen in Lehramtsausbildung und Studienseminaren. KI-Themen auch in der musikpädagogischen Forschung stärken.

4 · Freiräume + Netzwerke

Freiräume für schulische Entwicklung, Erprobungen und Kooperationen. Schulen als lernende Organisationen stärken. Bundesweite Verzahnung & gemeinsame Leitlinien: BMU · KMK · Lehrerbildungsgremien.

Abschnitt 11

Thüringen gestaltet aktiv

Die Musikpädagogik ist nicht Nachzüglerin – sie ist eine der gestaltenden Kräfte

Positionspapier – Thüringen

In Thüringen bestehen bereits erste koordinierte Aktivitäten. Es werden derzeit konkrete Perspektiven für Fortbildung und Curriculaentwicklung ausgelotet.

LAMB

Landesausschuss Musikalische Bildung

Befasst sich intensiv mit dem Thema KI in der musikalischen Bildung und trägt zur landesweiten Strategieentwicklung bei.

Staatliches Studienseminar

AG KI in der Lehrer:innenbildung

Eigene Arbeitsgruppe zur Integration von KI in die Lehrer:innenbildung. Von Beginn an wird die fachspezifische Perspektive Musik mitgedacht – kreative Anwendungsmöglichkeiten, fachdidaktische Konzepte, ethische Reflexion und Prüfungsformate.

HfM Franz Liszt Weimar & Universität Erfurt

Hochschulkooperationen

Gespräche zu konkreten Perspektiven für Fortbildung und Curriculaentwicklung. Fachsensible Qualifizierungsformate, die Didaktik, Ethik und Kreativität mitdenken.

THILLM

Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien

Kooperation bei Qualifizierungsformaten und Lehrplanentwicklung. Erarbeitung didaktischer Leitlinien, unterrichtspraktischer Beispiele und Materialsammlungen.

Abschnitt 12

Perspektiven & Ausblick

KI im Musikunterricht als gemeinsame bildungspolitische Gestaltungsaufgabe

Positionspapier – Ausblick

Der Einsatz Künstlicher Intelligenz verändert das Verständnis von Bildung, Kreativität und musikalischem Lernen von Grund auf. Er fordert dazu heraus, Rollen, Prozesse und Ziele des Unterrichts neu zu denken – ohne den Kern musikalisch-ästhetischer Erfahrung aus dem Blick zu verlieren.

◆ Strukturen schaffen

Infrastruktur, Fortbildung und Curricula als politische Investitionspriorität – jetzt. Zeitkritisch: Verzögerungen vertiefen Abhängigkeiten.

★ Kooperation ausbauen

Bundesweite Verzahnung: BMU · Kultusministerkonferenz · interdisziplinäre Gremien der Lehrerbildung.

▲ Fachöffentlichkeit stärken

Didaktische Maßstäbe selbst setzen – nicht von Bildungsinfluencer-Formaten, Verlagen oder Plattformbetreibern übernehmen.

„KI-Kompetenz ist kein optionaler Bonus, sondern
Schutz vor unreflektierter Praxis und kommerzieller Vereinnahmung."Positionspapier LMR Thüringen / BMU LV Thüringen · 2025
Anlage 2

FAQ – Häufige Einwände

Antworten auf skeptische Fragen aus der Praxis

Grundsätzliche Einwände
„KI wird Lehrkräfte überflüssig machen."
Das Gegenteil ist der Fall. KI verändert die Rolle der Lehrkraft – von der Wissensvermittlerin zur Lernbegleiterin und Moderatorin kreativer Prozesse. Diese Rolle erfordert mehr pädagogisches Urteilsvermögen, nicht weniger. Das Positionspapier ist klar: KI ist ausdrücklich Ergänzung bewährter musikpädagogischer Zugänge, nicht deren Ersatz.
„Das ist nur ein Hype. In zwei Jahren interessiert das niemanden mehr."
KI-Systeme sind strukturell in Gesellschaft und Recht eingebettet – durch EU AI Act (2024), KMK-Empfehlungen und internationale Bildungsagenden. Die Frage ist nicht ob, sondern wie der Unterricht damit umgeht. Wer heute nicht handelt, überlässt die Deutungshoheit kommerziellen Akteuren und Bildungsinfluencer-Formaten.
„Ich bin kein Informatiker. Das ist nichts für mich."
Pädagogische KI-Kompetenz ist kein Informatik-Studium. Es geht um kritisches Urteilsvermögen, didaktische Einbettung und ethische Reflexion – Kernkompetenzen, die Lehrkräfte ohnehin mitbringen. Technisches Grundwissen über LLMs braucht es nur auf Nutzerniveau, nicht auf Entwicklerniveau.
Fachdidaktische Einwände
„Das schadet dem musikalischen Handwerk."
Das Risiko des Skill Skipping ist real und wird im Positionspapier explizit benannt. Die Antwort ist kein Verbot, sondern eine klare pädagogische Rahmung: KI-Ergebnisse sind immer Ausgangspunkt, nie Endpunkt. Variationen, Begründungen, Weiterentwicklungen – das musikalische Denken findet statt der handwerklichen Vorabarbeit, nicht stattdessen.
„KI-Ergebnisse sind oft schlecht oder falsch – warum sollte ich das einsetzen?"
Weil das ein pädagogischer Gewinn ist. KI-Fehler und stilistische Konsistenz ohne Originalität sind exzellente Lernanlässe: Wie erkenne ich Qualität? Was fehlt dieser Musik? Was kann ein Mensch, was eine Maschine nicht kann? Die kritische Auseinandersetzung mit mangelhaften Outputs schärft das musikalische Urteilsvermögen nachhaltig.
„Meine Schüler:innen nutzen das sowieso schon zuhause – unkontrolliert."
Genau deshalb braucht es den Unterricht. Wenn KI-Nutzung ausschließlich informell und unkritisch stattfindet, fehlt der Reflexionsrahmen. Schule kann Orientierung geben: kritische Medienbildung, Prompting als Gestaltungskompetenz, Fragen nach Qualität und Urheberschaft – das ist originär schulische Aufgabe.
Praktische Einwände
„Ich habe keine Zeit, mich in neue Tools einzuarbeiten."
Es geht nicht um massenhafte Tool-Kenntnis, sondern um eine pädagogische Haltung. Mit AIS-chat (ais.chat) steht für Thüringen seit Mai 2026 ein DSGVO-konformes KI-Tool kostenlos zur Verfügung. Mikrofortbildungen mit konkretem Unterrichtsbezug statt abstrakter Tool-Demos – das ist der richtige Einstieg.
„Was ist mit dem Datenschutz?"
Datenschutz ist eine ernste Anforderung, keine Pauschalabsage. AIS-chat (ais.chat) läuft auf EU-Servern, nutzt pseudonymisierte VIDIS-Anmeldung und verwendet Nutzerdaten nicht für KI-Training. Darüber hinaus gilt: Jedes Tool erfordert vorherige DSGVO-Prüfung – das ist Lehrerpflicht, keine KI-spezifische Besonderheit.
Rechtliche und ethische Einwände
„Was ist mit dem Urheberrecht? KI stiehlt doch Musik."
Das ist eine berechtigt offene Frage. Die rechtliche Lage zu KI-generierten Werken ist in Deutschland und der EU noch nicht abschließend geklärt. Der EU AI Act (2024) setzt erste Transparenzpflichten. Pädagogisch ist diese Unsicherheit produktiv: Urheberschaft, Originalität und künstlerische Eigenleistung werden zu zentralen Unterrichtsthemen.
„Wer haftet, wenn KI falsche Informationen liefert?"
Pädagogische Verantwortung bleibt immer bei der Lehrkraft. KI ist kein Akteur mit Rechtspersönlichkeit. Das Positionspapier ist klar: KI ist Werkzeug, nicht Entscheidungsträger. Transparenz über den KI-Einsatz und kritische Begleitung durch die Lehrkraft sind die rechtlich und ethisch gebotene Praxis.
Anhang

Begriffe & Konzepte

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Technische Grundbegriffe

KI / Generative KI

→ Was meinen wir damit?

LLM – Large Language Model

→ Wie funktioniert es?

Multimodale KI

→ Text · Bild · Audio · Video

NotebookLM

→ Wissensstrukturierung mit KI

KI-Halluzination

→ Warum KI sicher irrt

Pädagogische & didaktische Konzepte

Expansives Lernen (Holzkamp)

→ Defensiv vs. expansiv

Prompting

→ Als musikpäd. Kompetenz

Prompt Engineering

→ Systematisch gestalten

KI-Aufgabenkultur

→ Falck & Flick 2025

Skill Skipping (Nuxoll 2024)

→ Kompetenzabbau durch KI

PRISMA-Modell

→ Schulentwicklung mit KI (Urban 2026)

AI Convenience vs. AI Leadership

→ Falck 2024

Soziotechnische Ko-Konstruktion

→ Vogler 2026

Musikdidaktik & Ästhetik

Ästhetische Erfahrung

→ Wallbaum / Rolle

Leiblichkeit

→ Kern musikalischer Bildung

SAMR & TPACK

→ Rahmenmodelle für KI

DPACK

→ TPACK + Dagstuhl-Dreieck · Döbeli Honegger 2021

KI-Würfel (Krämer / Hecht 2024)

→ Anwendungsszenarien Musik

Gesellschaft, Recht & Bildungspolitik

EU AI Act (2024)

→ Was Schulen betrifft

Digitale Souveränität

→ Selbstbestimmt handeln

UNESCO zu KI & Bildung

→ Empfehlungen & Befunde

Chancengerechtigkeit

→ Versprechen & Wirklichkeit

Bias & Algorithmische Verzerrung

→ Strukturelle Schieflage

FelloFish

→ KI-Feedback · PRISMA 2026

Datenschutz & DSGVO

→ Im Schulkontext

Reflexion & Theorie

Postdigitalität

→ Analog & digital verflochten

KI-Paradoxien (Falck)

→ Neun Widersprüche

Crutch-Effekt

→ OECD 2026 · Cognitive Offloading

Deskilling

→ Kompetenzverlust durch Automatisierung

🎴 Seminar-Impulskarten · KI im Musikunterricht

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Grundsatz · Positionspapier
KI als Ergänzung
„KI wird dabei grundsätzlich ausdrücklich als Ergänzung bewährter musikpädagogischer Zugänge verstanden – nicht als deren Ersatz."
Leitlinie 1 · Positionspapier
KI als Lernimpuls
„KI eröffnet neue Perspektiven, ersetzt jedoch nicht den eigenen musikalischen Prozess. Ihre Funktionsweise sollte stattdessen selbst zum Gegenstand des Unterrichts werden."
Expansives Lernen · Positionspapier
KI aktiv gestalten
„KI sollte jederzeit vom Nutzenden aktiv gestaltet, kritisch hinterfragt und bewusst in eigene musikalische Gestaltungsprozesse eingebunden werden – als Impulsgeber und Katalysator musikalischen Denkens."
Herausforderungen · Positionspapier
Variation statt Übernahme
„KI-Ergebnisse müssen immer konsequent als Ausgangspunkte für Variation, Begründung und Weiterentwicklung verstanden werden – nicht als Maßstab oder gar Ersatz eigener Gestaltung."
Spannungsfelder · Positionspapier
Pädagogische Grundsatzhaltung
„Sie verlangen nach einer pädagogischen Grundsatzhaltung, die KI nicht als Lösungsmaschine, sondern als Impulsgeber für vertieftes eigenständiges musikalisches Lernen versteht."
Kompetenzen · Positionspapier
Die entscheidende Frage
„Vor jeder Entscheidung für oder gegen einen KI-Einsatz steht eine einzige Frage: Welcher pädagogische Mehrwert entsteht — für wen, in welcher Phase, gemessen an welchem Lernziel?"
Ausblick · Positionspapier
KI-Kompetenz als Schutz
„KI-Kompetenz bei Lehrenden und Lernenden ist in diesem Sinne kein optionaler Bonus, sondern Schutz vor unreflektierter Praxis und kommerzieller Vereinnahmung."
Thüringen · Positionspapier
Musikpädagogik als Gestalterin
„Die Musikpädagogik ist nicht Nachzüglerin, sondern eine der gestaltenden Kräfte der digitalen Bildungsentwicklung."